Projektidee & künstlerische Leitung: Nils Volkmann
Umsetzung: gemeinsam mit dem Druschba-Kunstkollektiv
Träger: Lösungslabor e.V. (Organisation, Verwaltung)
Worum es geht
Die Thüringer Brückenfeste schaffen in Thüringer Orten Räume, in denen Menschen sich wieder begegnen können – dort, wo Austausch oft schwer fällt oder gar nicht mehr stattfindet. Im Zentrum steht nicht die Debatte, sondern die Beziehung: Menschen erleben, dass sie gesehen werden, dass ihre Erfahrungen zählen und dass Verständigung nicht über „Recht haben“, sondern über Zuhören, gemeinsames Tun und Resonanz entsteht.
Das Besondere: Wir bringen diese Formate dorthin, wo sie gebraucht werden – in kleine Städte und ländliche Räume. Und wir tun das nicht einmalig, sondern wiederholt, verlässlich und in Serie. In den letzten zwei Jahren sind so zahlreiche Veranstaltungen entstanden – mit echten Begegnungen, sichtbaren Ergebnissen und nachhaltiger Wirkung vor Ort.
Unsere Kernformate
1) Zeichnen & Zuhören
Ein einfaches, starkes Prinzip: Jemand wird porträtiert – und währenddessen entsteht ein Gespräch. Das Zeichnen senkt die Schwelle, schafft Ruhe und Aufmerksamkeit. Viele Menschen öffnen sich gerade deshalb, weil es kein Interview ist, sondern ein echter Moment.
Umsetzung 2024+2025 (Auswahl): Zeichenaktionen in Sonneberg, Greiz, Zeulenroda und Almerswind – verbunden mit Gesprächen, Portraits und kurzen O-Tönen.
Ergebnis: Menschen fühlen sich ernst genommen, Geschichten werden sichtbar, Gesprächsfäden entstehen neu.
- 25.05.2024 – Weimar-West – kreisfreie Stadt Weimar
- 28.06.2024 – Drößnitz – Landkreis Weimarer Land
- 28.07.2024 – Rippershausen – Landkreis Schmalkalden-Meiningen
- 07.08.2024 – Quirla – Saale-Holzland-Kreis
- 17.08.2024 – Zeulenroda-Triebes – Landkreis Greiz
- 24.08.2024 – Ilmenau – Ilm-Kreis
- 25.08.2024 – Ronneburg – Landkreis Greiz
- 28.08.2024 – Stadtroda – Saale-Holzland-Kreis
- 31.08.2024 – Kranichfeld – Landkreis Weimarer Land
- 29.09.2024 – Erfurt (Rieth) – kreisfreie Stadt Erfurt
. - 18.05.2025 – Schloss Tonndorf (Tonndorf) – Landkreis Weimarer Land
- 14.06.2025 – Greiz – Landkreis Greiz
- 20.06.2025 – Sonneberg – Landkreis Sonneberg
- 28.06.2025 – Almerswind (Schalkau) – Landkreis Sonneberg
- 30.08.2025 – Zeulenroda-Triebes – Landkreis Greiz
- 05.09.2025 – Weida – Landkreis Greiz
- 02.10.2025 – Zeulenroda-Triebes – Landkreis Greiz
. - 12.03.2026 – Buttelstedt (Landgemeinde Am Ettersberg) – Landkreis Weimarer Land


























2) Erzählsalons
Nachdem die 1zu1 Aktionen jedesmal so gut ankommen und wirkliche Verbindung herstellen, haben wir begonnen Zuhörformate zu entwickeln, bei denen die Zeugenschaft um eine ganze Gruppe erweitert ist. Moderierte Gesprächsrunden auf Augenhöhe: Menschen erzählen, hören zu, erinnern sich, widersprechen, lachen, werden still. Es geht nicht um Meinungsschlachten, sondern um Erfahrung, Alltag, Herkunft, Brüche, Hoffnungen. Besonders stark ist der Effekt, wenn mehrere Generationen im Raum sind.
Bei diesem besonderen Zuhör-Format nutzen wir die Technik des Graphic Recording und können damit auch zeichnerisch bezeugen, was die Menschen an teilweise sehr persönlichen Geschichten teilen.
Umsetzung (Auswahl): Erzählsalons in Weimar-West, Zeulenroda, Weiden und Bad Berka mit Fokus auf transgenerationalem und kulturellem Brückenbau.


3) Schaufenster-Ausstellungen
Die Ergebnisse bleiben nicht im Projektordner. Sie werden im Ort sichtbar: in leerstehenden oder genutzten Schaufenstern – ohne Eintritt, ohne Schwelle, ohne Termin. Das ist niedrigschwellige Öffentlichkeit: Man stolpert darüber, bleibt stehen, spricht darüber.
Umsetzung 2025 (Auswahl): Ausstellungen u. a. in Ilmenau, Weimar-West, Weimar-Innenstadt, Arnstadt und Zeulenroda.
Weitere geplant: Rudolstadt und Bad Sulza.


4) Dokumentation & Sichtbarkeit
Damit Stimmen nicht verpuffen, sichern wir sie dauerhaft:
- Podcast „Thüringer Stimmen“ (SoundCloud & Spotify)
- Banner mit Zuversichtsgeschichten in beteiligten Orten (u. a. Kranichfeld und Weiden)
Warum das gesellschaftlich relevant ist
Wir verstehen Kunst und Kultur als Bindemittel: Sie bringen Menschen in Kontakt, ohne dass sie sich zuerst einig sein müssen. In Formaten wie Zeichnen & Zuhören oder Erzählsalons entstehen Situationen, in denen Würde, Neugier und Empathie wachsen können – und in denen Unterschiede sichtbar werden, ohne dass daraus sofort Fronten entstehen. So wird Zusammenhalt nicht behauptet, sondern praktisch eingeübt: im Alltag, vor Ort, mit echten Menschen.
Trägerschaft & Auszeichnung
Der Lösungslabor e.V. ist Träger des Projekts – inklusive Antragstellung und administrativer Umsetzung. Als große Anerkennung hat das Projekt Thüringer Brückenfeste den renommierten Kunstpreis „The Power of the Arts“ gewonnen, der Kunstprojekte auszeichnet, die gesellschaftlich Relevanz haben und Menschen zusammenbringen.
Wirkung vor Ort
Was wir an fast jedem Ort erleben, ist erstaunlich ähnlich: Schon nach kurzer Zeit kippt die Stimmung von „vorsichtig“ zu „offen“. Menschen kommen erst wegen der Zeichnungen oder aus Neugier – und bleiben, weil plötzlich etwas passiert, das im Alltag selten geworden ist: echtes Zuhören, echte Aufmerksamkeit, echte Würde.
Die Gespräche gehen oft tief. Nicht, weil wir „Therapie“ machen, sondern weil der Rahmen es erlaubt, dass Menschen das aussprechen, was sonst keinen Platz hat: Sorgen, Brüche, Stolz, Sehnsucht, auch Wut – und dahinter fast immer der Wunsch nach Verbindung. Genau daraus entsteht Zuversicht: wenn jemand merkt, ich werde nicht abgewertet, ich werde gesehen.
In Zeulenroda wurde das Projekt dreimal durchgeführt. Die Wiederholung hat dabei einen entscheidenden Unterschied gemacht: Aus einem einzelnen Termin wird ein Prozess. Aus kurzen Begegnungen werden Beziehungen, aus anfänglicher Distanz wird Vertrauen. Das ist nicht nur „nice to have“, sondern spürbare soziale Wirkung: Menschen grüßen sich wieder, reden anders miteinander, empfehlen sich gegenseitig weiter – und Ressentiments verlieren an Schärfe, weil sie nicht mehr abstrakt bleiben, sondern einem echten Gegenüber begegnen.
Wir haben in den letzten Jahren sehr viel von den Menschen gelernt und haben jetzt ein gutes Gespür dafür bekommen was es braucht, um Menschen wieder in die Selbstwirksamkeit zu bringen und Zusammenhalt wieder erlebbar zu machen. … Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an, wir hoffen dass wir mit allen Akteuren aus unserem Netzwerk ab jetzt noch viel in Thüringen bewegen können.
Wenn Sie an unserer Arbeit interessiert sind und mehr über die Brückenfeste erfahren wollen, nehmen sie gerne Kontakt mit uns auf.
Weil Bilder manchmal mehr als Worte sprechen, sind hier noch ein paar Impressionen aus einer unserer Aktionen in einem kleinen Thüringer Dorf. Ein Treffen, wo wir mit Menschen des Ortes eine Karte zu den Flurnamen angefertigt haben, die größtenteils nur mündlich überliefert sind und niemals gesammelt wurden. Das hat Menschen zusammengebracht, kulturelle Identität gestärkt und das Gemeinschaftsgefühl lebendig gemacht:








